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Optionsschein – mit wenig Kapital in kurzer Zeit zu hohen Gewinnen

Der Kauf eines Optionsscheins bietet sich an, wenn…

…Sie kurzfristig spekulieren möchten, in kurzer Zeit mit einem geringen Kapitaleinsatz hohe Gewinne erzielen wollen und bereit sind, ein hohes Risiko einzugehen.

Optionsscheine eignen sich vor allem für spekulative, risikobereite Anleger, denn sie reagieren überproportional auf Kursbewegungen eines festgelegten Basiswertes. Das bedeutet, dass man dank der Hebelwirkung von Optionsscheinen schon mit geringem Kapitaleinsatz in relativ kurzer Zeit hohe prozentuale Gewinne erzielen kann. Der Hebel kann sich allerdings auch in die entgegengesetzte Richtung auswirken. Das heißt, liegt der Anleger mit seiner Markterwartung falsch, so kann er schnell hohe Verluste bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals erleiden. 

Als Basiswerte dienen vor allem Aktien, Indizes, Währungen und Rohstoffe. Herausgegeben werden Optionsscheine von Banken und anderen Finanzinstituten. Ähnlich wie bei Anleihen besteht zwischen Anleger und Emittent ein Schuldverhältnis. Die Laufzeit von Optionsscheinen ist begrenzt und vorher festgelegt. In der Regel dauert sie zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Am Ende der Laufzeit sehen die gehandelten Optionsscheine normalerweise keine Lieferung oder Abnahme des Basiswerts vor, sondern es erfolgt stattdessen ein Barausgleich (Cash Settlement). Es gibt zwei Produkttypen von Optionsscheinen: Optionsscheine, die von steigenden Kursen profitieren (Call-Optionsscheine) und Optionsscheine, die von fallenden Kursen profitieren (Put-Optionsscheine). Letztere lassen sich auch zur Absicherung von Wertpapierdepots gegen Kursverluste einsetzen. 

Als Optionsscheinanleger sollten Sie möglichst in der Lage sein, die Finanzmärkte auch tagsüber im Auge zu behalten. Die meisten Anleger setzen Optionsscheine für kurzfristige Spekulationen ein und verkaufen die Papiere oft schon nach wenigen Tagen oder Wochen wieder. Je nach Produkttyp profitieren Optionsscheine von steigenden oder fallenden Kursen:

  • Call-Optionsscheine gewinnen grundsätzlich bei steigenden Kursen des Basiswertes an Wert.
  • Put-Optionsscheine profitieren grundsätzlich von fallenden Kursen des Basiswertes.


Der Kurs von Optionsscheinen wird in erster Linie durch die Kursbewegungen des Basiswertes beeinflusst. Daneben besitzen aber noch weitere Faktoren einen Einfluss auf den Kurs eines Optionsscheins, insbesondere die Schwankungsstärke (Volatilität) des Basiswertes. Die Preisbildung von Optionsscheinen wird für Sie daher nur nachvollziehbar sein, wenn Sie den Einfluss der Volatilität verstanden haben. 

Das Prinzip einer Option - eine kurze Einführung

Am einfachsten lässt sich die Funktionsweise eines Optionsscheins anhand eines Beispiels aus einem ganz anderen, uns allen vertrauten Lebensbereich erklären:

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Nähe gibt es ein hervorragendes italienisches Restaurant, in welchem Sie zu den treuesten Stammkunden zählen. Eines Tages überreicht Ihnen der Besitzer des Lokals als Dank ein paar Gutscheine, mit denen Sie jeweils ein Abendessen für 5,00 Euro erhalten. Die Gutscheine sind zwei Jahre lang gültig. Der aktuelle Preis für das Abendessen beträgt 7,00 Euro. Da Sie bei Einsatz eines Gutscheins 2,00 Euro sparen würden, hat der Gutschein einen Wert von 2,00 Euro. Diesen Wert wollen wir als „inneren Wert“ bezeichnen.

Ein halbes Jahr später muss das Restaurant die Preise erhöhen. Steigende Lohnkosten und höhere Strompreise lassen keine andere Wahl. Ein Abendessen kostet nun 8,00 Euro. Der Preis hat sich also um ca. 14% erhöht. Mit einem Gutschein können Sie das Abendessen jedoch weiterhin für 5,00 Euro genießen. Der innere Wert eines Gutscheins beträgt nun demnach mindestens 3,00 Euro. Der Wert des Gutscheins hat sich folglich um 50% erhöht und damit deutlich stärker als der Preis für das Abendessen. Der Gutschein reagiert mit einer Art „Hebelwirkung“ auf die Preisveränderung.

Stellen Sie sich vor, das Abendessen würde plötzlich nur noch 5,00 Euro kosten. Dies würde die Gutscheine zumindest für den Moment wertlos machen, da sie Ihnen keinen Vorteil mehr gegenüber dem direkten Kauf liefern. Würden Sie die Gutscheine dennoch einfach wegwerfen? Vermutlich eher nicht, denn es besteht ja die Möglichkeit, dass während der Gültigkeitsdauer der Preis für das Essen wieder steigt, womit die Gutscheine wieder einen Wert aufweisen würden.

Die Gutscheine bestehen also nicht nur aus dem inneren Wert, sondern auch aus einer Art Zeitwert. In diesem Zeitwert drückt sich die Wahrscheinlichkeit aus, dass der Wert eines Gutscheins vor Ablauf der Gültigkeit steigt.

Wenn Sie den obigen Sachverhalt verstanden haben, werden Sie auch mit dem Verständnis für Optionsscheine keine Probleme haben. Was Sie gerade kennengelernt haben, war bereits das Grundprinzip eines Call-Optionsscheins. Keine Umsätze? Kein Problem.
Optionsscheine werden in der Regel von großen Banken und Wertpapierhandelshäusern herausgegeben. Für alle Produkte, die im Qualitätssegment Börse Frankfurt Zertifikate Premium am Börsenplatz Frankfurt gelistet sind, stellen die Emittenten fortlaufend An- und Verkaufskurse zur Verfügung, so dass die Produkte grundsätzlich handelbar sind, auch wenn über längere Zeiträume keine Umsätze stattfinden.

Volatilität, Zinsen und Dividenden
Nicht nur Veränderungen im Kurs des Basiswertes beeinflussen den Kurs eines Optionsscheins – einige weitere Faktoren wirken sich ebenfalls auf den Wert eines Optionsscheins aus. Für den Anleger sind insbesondere Veränderungen der Volatilität, also der Schwankungsstärke des Basiswertes, von großer Bedeutung. Daneben spielen Veränderungen des Zinsniveaus und Veränderungen erwarteter Dividendenzahlungen eine Rolle.

Historische und implizite Volatilität
Die Volatilität ist wohl das schwierigste und am meisten diskutierte Thema auf jedem Optionsschein-Seminar. Zu unterscheiden ist die historische und die implizite Volatilität. Die historische Volatilität gibt an, wie stark der Kurs eines Finanzinstruments in der Vergangenheit geschwankt ist. Die implizite Volatilität gibt dagegen an, welche Schwankungsstärke in der Zukunft von einem bestimmten Finanzinstrument erwartet wird.

Erhöht sich die implizite Volatilität für einen Basiswert, so führt dies zu steigenden Preisen der Optionsscheine. Warum ist das so?
Optionsscheine weisen ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil auf. Vereinfacht ausgedrückt: Der maximal mögliche Verlust für Sie als Käufer ist – unabhängig von den Schwankungen des Basiswertes - immer auf das eingesetzte Kapital begrenzt. Sie können niemals mehr verlieren als Sie für den Kauf der Optionsscheine bezahlt haben. Die Gewinnchancen mit einem Optionsschein erhöhen sich allerdings, wenn der Basiswert stärker schwankt und die Kursausschläge größer werden. Daher führt eine steigende implizite Volatilität zu steigenden Preisen für Optionsscheine.

Dies gilt allerdings auch umgekehrt: Eine fallende implizite Volatilität führt zu fallenden Optionsscheinkursen und damit gelegentlich zu unangenehmen Überraschungen für Optionsscheinanleger, die mit dem Einfluss der Volatilität nicht vertraut sind.
In den meisten Fällen sind Anleger in Call-Optionsscheinen davon betroffen. Häufig kann beobachtet werden, dass die impliziten Volatilitäten an den Aktienmärkten bei steigenden Kursen zurückgehen und umgekehrt. Die steigenden Aktienkurse wirken sich zwar positiv auf die Call-Optionsscheine aus, gleichzeitig wirkt aber die fallende implizite Volatilität in die entgegengesetzte Richtung, so dass der Kursgewinn des Call-Optionsscheins geringer ausfällt als erhofft. Im Extremfall kann der Effekt einer stark fallenden impliziten Volatilität den Kursgewinn des Basiswertes sogar überkompensieren.

Allerdings beeinflussen Veränderungen der impliziten Volatilität – ebenso wie Zinsen und Dividenden – nur den Zeitwertanteil des Optionsscheins. Der innere Wert des Optionsscheins wird dagegen ausschließlich durch die Differenz aus dem Kurs des Basiswertes und dem festgelegten Basispreis bestimmt. Sie können daher den Einfluss von Volatilitätsveränderungen deutlich reduzieren, indem Sie Scheine „im Geld“ kaufen, also solche Papiere, die bereits einen hohen inneren Wert aufweisen. Allzu böse Überraschungen durch Veränderungen der impliziten Volatilität bleiben Ihnen so häufiger erspart. Optionsscheine mit einem hohen inneren Wert besitzen allerdings in der Regel eine geringere Hebelwirkung.

Gleichzeitig dient die implizite Volatilität auch als Maß dafür, wie teuer ein Optionsschein ist. Haben Sie die Wahl zwischen mehreren identisch ausgestatteten Optionsscheinen, so sollten Sie sich grundsätzlich für den Schein mit der geringsten impliziten Volatilität entscheiden, sofern nicht andere Kriterien (z.B. zu breiter Spread oder Bonität des Emittenten) klar dagegen sprechen.

Zinsen und Dividenden
Der Emittent eines Optionsscheins spekuliert niemals gegen Sie. Um einen Gewinn zu erzielen, muss er also keinesfalls hoffen, dass der Wert des Optionsscheins fällt und Sie einen Verlust erleiden. Vielmehr sichert sich der Emittent gegen Kursveränderungen des Optionsscheins ab, indem er Einheiten des Basiswertes kauft und verkauft. Im Idealfall ist er so abgesichert, dass sich seine Absicherungsposition (Hedge-Position) genauso verhält wie der Wert der verkauften Optionsscheine. Die Absicherung wird aufgelöst, sobald Sie die Papiere wieder an den Emittenten zurück verkaufen.

Aufgrund der Hebelwirkung des Optionsscheins benötigt der Emittent zur Absicherung verkaufter Calls jedoch erheblich mehr Kapital als Sie zum Kauf der Optionsscheine. Für dieses Kapital stellt der Emittent Ihnen Zinskosten in Rechnung, die im Preis des Optionsscheins enthalten sind. Steigende Zinsen führen daher zu steigenden Preisen von Call-Optionsscheinen. Bei Puts ist es umgekehrt. Hier verkauft der Emittent Basiswerte, um sich abzusichern. Dafür erhält er Kapital, welches er zinsbringend anlegen kann. Steigende Zinsen reduzieren folglich die Preise von Put-Optionsscheinen. Der Einfluss von Zinsveränderungen ist in der Regel so gering, dass Sie ihn als Anleger kaum wahrnehmen werden.

Hält der Emittent Aktien als Absicherungsposition, so vereinnahmt er natürlich auch die entsprechenden Dividendenausschüttungen. Diese Zusatzerträge verringern den Preis von Call-Optionsscheinen und erhöhen die Preise für Puts. Ändert sich die Dividendenerwartung, so hat dies einen Einfluss auf die Preise der Optionsscheine. Unerwartet angekündigte Sonderdividenden eines Unternehmens können zu einem Kursrückgang von Call-Optionsscheinen auf die betreffende Aktie führen.

Wichtige Kennzahlen

Um strukturierte Produkte besser beurteilen zu können, liefert Ihnen unsere Website zu den meisten Produkttypen eine Reihe von Bewertungskennzahlen. Diese werden angezeigt, sobald Sie ein einzelnes Produkt in der Detailansicht aufrufen. Die Interpretation einer Kennzahl setzt allerdings immer voraus, dass sich nur ein einziger Preiseinflussfaktor verändert, während alle anderen Einflussfaktoren unverändert bleiben (ceteris paribus). Daher können alle Kennzahlen immer nur ein Anhalt sein, wie sich der Kurs eines Optionsscheins verhält.

Um Optionsscheine zu beurteilen, helfen Ihnen die nachfolgenden Kennzahlen, deren Bedeutung wir Ihnen kurz erläutern möchten. Die Berechnung einiger Kennzahlen soll dabei am bereits zuvor verwendeten Call-Optionsschein auf die Siemens-Aktie verdeutlicht werden:

Basiswert: Siemens AG
Aktienkurs: 75,00 Euro
Basispreis: 70,00 Euro
Bezugsverhältnis: 0,1
Laufzeit: 2 Jahre
Kurs des OS: 1,30 Euro


Innerer Wert

Der innere Wert ist der Wert, den Sie realisieren würden, wenn Sie das Optionsrecht sofort ausüben und damit den Basiswert kaufen bzw. verkaufen.
Der innere Wert eines Optionsscheins kann sehr einfach berechnet werden. In unserem Beispiel des Call-Optionsscheins auf die Siemens-Aktie ergibt sich ein innerer Wert von 0,50 Euro, der wie folgt berechnet wird:

(Kurs Basiswert – Basispreis) x Bezugsverhältnis
= (75,00 Euro – 70,00 Euro) x 0,1
= 0,50 Euro.

Der innere Wert eines Put-Optionsscheins berechnet sich wie folgt:
(Basispreis – Kurs Basiswert) x Bezugsverhältnis 

 

 

 

Der innere Wert eines Optionsscheins kann niemals negativ werden. Liegt der Kurs des Basiswertes auf oder unter dem Basispreis, so beträgt der innere Wert eines Calls Null. Der Optionsschein besteht in diesem Fall nur aus Zeitwert. Der innere Wert eines Puts beträgt Null, wenn der Kurs des Basiswertes auf oder über dem Basispreis liegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitwert

Ist der innere Wert eines Optionsscheins berechnet, so lässt sich auch leicht der Zeitwert des Optionsscheins berechnen. Hierzu wird der innere Wert vom Kurs des Optionsscheins abgezogen. In unserem Beispiel ergibt sich ein Zeitwert von 0,80 Euro, der sich wie folgt berechnet:
(Kurs Optionsschein – Innerer Wert)
= (1,30 Euro – 0,50 Euro)
= 0,80 Euro

Der Zeitwert baut sich mit abnehmender Restlaufzeit eines Optionsscheins allmählich ab und beträgt am Laufzeitende Null. Optionsscheine, die dann keinen inneren Wert aufweisen, verfallen wertlos. Ansonsten erhalten Sie den inneren Wert ausbezahlt. Der Zeitwertverlust eines Optionsscheins beschleunigt sich in den letzten Monaten seiner Laufzeit. Sie sollten daher beim Kauf unbedingt auf eine ausreichende Restlaufzeit ihres Optionsscheins achten.

 


Aufgeld
Das Aufgeld gibt an, um wieviel der Kauf bzw. Verkauf des Basiswerts durch Kauf des Optionscheins und sofortige Ausübung des Optionsrechtes teurer wäre als der direkte Kauf oder Verkauf des Basiswertes am Markt.

Das Aufgeld ist ein Maß dafür, wie teuer ein Optionsschein ist. Unter vergleichbar ausgestatteten Optionscheinen sollten Sie immer den Schein mit dem geringsten Aufgeld auswählen. Durch die Berechnung des Aufgeldes in Prozent pro Jahr lassen sich auch Optionsscheine mit unterschiedlicher Laufzeit miteinander vergleichen.

Das Aufgeld des Calls aus unserem Beispiel kann in Prozent wie folgt berechnet werden:

(Basispreis + Kurs OS / BV – Aktienkurs ) / Aktienkurs * 100
= 70,00 Euro + 1,30 Euro / 0,1 – 75,00 Euro ) / 75,00 Euro * 100
= 10,7 %

Break-even
Der Break-even gibt an, welches Kursniveau der Basiswert überschreiten (Call) bzw. unterschreiten (Put) muss, damit Sie beim Halten des Optionsscheins bis zur Fälligkeit keinen Verlust erleiden. Der Break-even ist allerdings nur für Anleger relevant, die ihren Optionsschein tatsächlich bis zum Laufzeitende halten möchten.

Der Break-even eines Calls berechnet sich wie folgt:
Basispreis + Kurs OS / BV
= 70,00 Euro + 1,30 Euro / 0,1
= 83,00 Euro

Die Formel für den Break-even eines Put sieht ein wenig anders aus:
Basispreis – Kurs OS / BV

Delta
Das Delta wird oft auch als „Preissensitivität“ bezeichnet. Es gibt an, wie stark sich der Preis eines Optionsscheins verändert, wenn sich der Basiswert um eine Geldeinheit bewegt. Dabei muss das Bezugsverhältnis berücksichtigt werden. Ein Call-Optionsschein mit einem Delta von 0,60 und einem Bezugsverhältnis von 0,1 verändert sich um etwa 0,06 Euro, wenn sich der Basiswert um 1,00 Euro bewegt.

Wie bei allen Kennzahlen ist zu beachten, dass auch das Delta nur eine Momentaufnahme darstellt. Die Kennzahl verändert sich theoretisch sofort, sobald sich einer der Preiseinflussfaktoren auch nur um eine Winzigkeit verändert, z.B. der Kurs des Basiswertes. Dennoch ist das Delta eine der wichtigsten Größen zur Beurteilung eines Optionsscheins.

Die Berechnung des Deltas ist mathematisch sehr komplex. Eine mögliche Formel zur Berechnung des Deltas kann z.B. aus dem Black-Scholes-Optionspreismodell abgeleitet werden. Für die Entwicklung dieses Modells wurde 1997 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen.

Call-Optionsscheine haben stets ein Delta zwischen 0 und +1. Da Put-Optionsscheine entgegengesetzt auf Preisveränderungen des Basiswertes reagieren, liegt das Delta hier stets zwischen -1 und 0. Optionsscheine mit einem Delta nahe Null reagieren fast gar nicht mehr auf Kursveränderungen des Basiswertes. Der Kurs eines solchen Optionsscheins verhält sich extrem unberechenbar, da er fast nur noch auf Veränderungen der impliziten Volatilität reagiert. Optionsschein-Experten raten Neulingen, Papiere mit einem Delta von mindestens 0,50 bis 0,70 zu wählen.

Omega
Das Omega gibt an, wie stark die Hebelwirkung eines Optionsscheins ist. Der oben genannte Optionsschein hat ein Omega von knapp 4. Demnach würde der Kurs des Optionsscheins um etwa 4% steigen bzw. fallen, wenn der Aktienkurs um 1% steigt oder fällt.

Hier gilt jedoch wie bei allen Kennzahlen: Auch das Omega ist eine Momentaufnahme. Der Wert der Kennzahl ändert sich mit jedem Tick des Basiswertes. Die Richtigkeit der Interpretation setzt zudem voraus, dass sich keiner der anderen Preiseinflussfaktoren – Volatilität, Zinsen, Dividenden und Restlaufzeit - verändert. Bei Scheinen mit einem sehr niedrigen Delta ist die Aussagekraft der Kennzahl Omega generell stark eingeschränkt.

Bei allen anderen Optionsscheinen ist das Omega aber durchaus eine geeignete Größe zur Beurteilung von Chance und Risiko eines Optionsscheins und daher eine sehr wichtige Hilfe für Sie als Anleger. Je höher das Omega, desto chancenreicher und riskanter ist ein Optionsschein.

Neben dem Omega existiert noch eine weitere Kennzahl zur Beurteilung der Hebelwirkung, der „aktuelle Hebel“. Da zur Berechnung dieser Kennzahl das Delta nicht benötigt wird, lässt sich der aktuelle Hebel wesentlich einfacher ermitteln. Die Kennzahl ist jedoch in vielen Fällen irreführend und wenig aussagekräftig und wird an dieser Stelle bewusst nicht weiter behandelt. Wenn Sie in den Medien Angaben zur Hebelwirkung von Optionsscheinen finden, sollten Sie immer genau prüfen, ob es sich hierbei um den wenig verlässlichen „aktuellen Hebel“ oder um das aussagekräftigere Omega handelt.

Theta
Das Theta bezieht sich immer auf einen bestimmten Zeitraum (häufig eine Woche) und misst den Zeitwertverlust eines Optionsscheins. Unser Optionsschein weist ein Theta von 0,40% pro Woche auf. Er würde also theoretisch pro Woche 0,4% an Wert verlieren, wenn alle übrigen Preiseinflussfaktoren unverändert bleiben.

Der Zeitwertverfall von Optionsscheinen beschleunigt sich in den letzten Monaten der Laufzeit, besonders bei Scheinen die „am Geld“ notieren, bei denen also der Kurs des Basiswertes in der Nähe des Basispreises liegt. Achten Sie daher beim Kauf eines Optionsscheins immer auf eine ausreichende Restlaufzeit. Experten raten selbst bei sehr kurzfristigen Spekulationen dazu, Papiere auszuwählen, die noch eine Restlaufzeit von mindestens einigen Wochen aufweisen. Bei einer geplanten Haltedauer von mehreren Monaten handeln viele Anleger nach der Faustregel „Restlaufzeit = Das 1,5-fache bis 2-fache der geplanten Haltedauer“ - wobei das Verhältnis von Restlaufzeit und Haltedauer umso größer sein sollte, je kürzer Ihr Anlagehorizont ist. 

Wie verhält sich das Produkt während der Laufzeit?

Generell verliert ein Optionsschein mit Abnahme der Restlaufzeit an Wert. Gleichzeitig wird dabei aber auch die Hebelwirkung des Optionsscheins größer. Um das Kursverhalten eines Optionsscheins besser einschätzen zu können, ist eine Unterscheidung zwischen Scheinen aus dem Geld, am Geld und im Geld erforderlich:

  • Bei Optionsscheinen, die weit aus dem Geld notieren, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie vor dem Laufzeitende noch einen inneren Wert erreichen können. Daher fristen solche Optionsscheine meist schon lange vor Ablauf ihrer Restlaufzeit ein recht trauriges Dasein und dümpeln nahe der Wertlosigkeit vor sich hin. Die meisten Bewertungskennzahlen sind in diesem Stadium kaum noch aussagekräftig. Eine besonders kräftige Kursbewegung des Basiswertes in die richtige Richtung und/oder ein plötzlicher Anstieg der impliziten Volatilität kann gelegentlich zu einem kurzen Sprung im Optionsscheinkurs führen – meist verfällt das Papier dann bei Fälligkeit dennoch wertlos.

 

  • Ganz anders bei Optionsscheinen am Geld: Hier ist bis kurz vor dem Laufzeitende höchst unsicher, ob ein innerer Wert verbleiben wird oder nicht. Die Optionsscheine besitzen oft eine vergleichsweise hohe Hebelwirkung und vollziehen extreme Kurssprünge in beide Richtungen. Die Unsicherheit bei solchen Optionsscheinen drückt sich in einem sehr hohen Zeitwertanteil aus. Diese Papiere leiden daher in den letzten Monaten ihrer Laufzeit auch am stärksten unter dem Zeitwert.

 

  • Optionsscheine tief im Geld besitzen einen hohen inneren Wert, der Zeitwertanteil ist vergleichsweise gering. Der Zeitwertverlust ist daher eher moderat. Die Optionsscheine weisen ein hohes Delta auf, die absoluten Kursbewegungen des Basiswertes werden sehr stark nachvollzogen. Die Hebelwirkung ist jedoch geringer als bei Optionsscheinen am Geld. 

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